Bericht vom Clickertraining 2004 mit Gustave und Nestor

      
©2004 Barbara Bank ©2003 Barbara Bank
Das ist Gustave bei seinem Kunststück.
Er war dieses Jahr mit uns zusammen auf dem Clickertraining.
Wir haben dort gemeinsam vieles gelernt.
Besonders stolz schaute er, als er freiwillig auf das Podest
gestiegen war.
Das ist der 2-jährige Nestor,
der Sohn von Hugette,
bei einem seiner munteren Ausläufe in Oberneisen.
Sein ausladender kraftvoller Schritt
läßt seine Fähigkeiten erahnen.
Sind wir gespannt was da noch kommen wird.
Wie der Pylon zum Ziel führte
Betrachtungen zum Clickertraining am Beispiel von Gustave erzählt von Otmar Hoefer

Unser David hat eine gute Jugend gehabt und ist mit uns immer durch Dick und Dünn gegangen. Unsere damalige Wanderung nach Forst war auch für ihn eine gute Lehre und sie hat bei ihm viel Vertrauen gegeben.
Bei unserem Gustave war das etwas anders. Er war der Nächstgeborene, ist mit David und seiner sanften Mutter Suzy zusammen aufgewachsen. Er hat sich von den beiden sanften Genossen zum Ranghöchsten aufgeschwungen. Somit war für ihn klar, dass er seinen Kopf durch seine Größe und sein Gewicht immer durchsetzen konnte.
Wir hatten mit ihm auch so unsere Probleme, denn wenn es darum ging ihn auf einen Ausflug mit dem Pferdehänger mit zu nehmen, dann artete das voll in Arbeit und Stress für beide Parteien aus. Während David ganz gemütlich in den Hänger ging und darin wartete, dass es los ging, war es für unseren Gustave ein unüberwindbares Hindernis auf die Rampe und in den Hänger zu gehen.
Wir nutzen alle Tricks und banden ihm Seile um sein Hinterteil um ihn damit in den Hänger zu bewegen. Sein eigenes Körpergewicht war aber stärker als meine Hände. Durch Flaschenzugwirkung ist das zwar besser geworden, aber ich hatte bald blutige Hände und Muskelkater danach und außerdem fragten wir uns, dass das wohl nicht die Lösung wäre, fast einen Stunde mit dem Verladen des Esels zu verbringen.
Das musste anders werden.
Da kam der Anruf von Brigitte Engel gerade recht, dass sie auf ihrem Hof bei Cochem ein Clickerseminar mit Andra Thiel veranstalten würde.
Wir waren dieser Clickerei etwas voreingenommen und sagten uns, das wird jetzt ausprobiert, denn darüber kann man nur reden, wenn man es selbst mitgemacht hat.
Also entschieden wir uns daran teilzunehmen und dazu unseren Gustave und den jungen Nestor mit zu nehmen. Am Freitagabend nach der Arbeit galt es noch die beiden Esel in den Hänger zu bringen. Beim Nestor war das gar kein Problem, nur unser Gustave hat mit uns wieder seine Prozedur ausgeführt. Er hatte sich sogar auf die Laderampe hinfallen lassen. Oh Schreck, was geht nur in dem Esel vor. Warum weigert er sich nur so sehr.
In Cochem angekommen war die Gruppe der Teilnehmer schon von Andra eingewiesen und wir mussten schnell noch ins Thema gebracht werden. Die Trockenübungen mit dem Clicker am Mensch war aber sehr aufschlussreich und mir wurde auf Grund meiner Fehler schnell klar, was es bedeutet mit dem Clicker zu arbeiten. Es erfordert volle Konzentration auf die Reaktion des Partners, der geclickert werden soll und man muss immer dort sein, wo die Person hinschaut, um zu sehen was die Person macht.


Andra Thiel zeigt uns wie sie mit dem Tennisball am Stab den Esel auf den Clicker konditioniert.


Am Samstag gab uns dann Andra die Einweisung ins Anclickern damit dem Esel: Ein Tennisball am Stab diente hier als Target und der Esel wurde immer mit einem Click und einer sofortigen Gabe eines kleinen Möhrenstückchens belohnt, wenn er diesen Ball mit der Schnauze berührte. Somit wurde dem Esel sehr schnell klar, was das Geräusch des Clickers für ihn bedeutet. Der Esel ist ja sehr schlau und bekommt natürlich mit, dass die Belohnungsstücke am Mensch zu finden sind und daher muss auch erst einmal lernen, dass es ohne Click nix gibt. Aber dass er das Target das unserem jeweiligen Lernziel entspricht berührt oder das ausführt was wir uns vorstellen.

Am Nachmittag kam Unvorhergesehenerweise ein Trupp von Hundebesitzern, die sich immer samstags auf dem Lescher Hof einfinden, um unter Anleitung der Hundetrainerin mit den Hunden zu üben. Wir hatten nichts dagegen dass der Übungsplatz dadurch für eine Stunde belegt wurde, es war sogar besonders gut zu sehen dass die meisten Hunde die Übungshindernisse eher deshalb überwinden, weil die Halter vor ihnen mit einem Leckerli her rennen. Das lockt den Hund, der wie angeschossen hinterher rennt. Der Hund hat eigentlich immer nur seinen Blick auf die Belohnungshand des Halters gerichtet. Andra erklärte uns dass dies eben beim Clickern nicht auftreten kann, denn das Tier ist auf den Click und die daraufhin folgende Belohnung ausgerichtet und nicht auf das Locken mit Belohnung.

Es wurde immer mehr klar, dass mit dieser Trainingsmethode das Tier mehr darauf aus ist es richtig zu machen, denn wenn es richtig reagiert, kommt der Click und damit auch die ersehnte Belohnung.
Ich hatte mich entschieden unseren komplizierten Gustave zu trainieren. Wir beide hatten nie so ein gutes Verhältnis, da er mir mit seiner rüpelhafte Art eigentlich nicht gefiel und es eher nach einem Machtkampf aussah.

Aber beim Clickern stellte ich plötzlich fest, wie er sich immer mehr auf mich einstellte.
Am Abend gab es dann noch eine große gemeinsame Wanderung in die Weinberge von Cochem mit wunder- schönen Ausblick auf Cochem und das Moseltal. Der alte Wanderweg mit steilem Abhang war teils nur 40 cm breit, aber reizte einige von uns ihn als wildromantischen Abenteuerweg nach Hause zu nutzen. Ich ging voraus und Gustave ging gelassen an allen Hindernissen vorbei.

Am Sonntag, bei schönem Wetter, kam dann die große Übungsstunde. Ein Pferdehänger mit Ausgangsklappe vorne wurde auf den Platz gestellt. Das ist ja auch ganz toll, denn so kann das Tier einfach vorne auf der Klappe wieder aussteigen und der Hänger ist damit eher eine Durchgangshütte. Andra ließ uns viel Zeit und gab uns Kommentar zum Verhalten und den verschiedenen Übungen. So steigerte ich mit Gustave die Schwierigkeiten der verschiedenen Hindernisse. Einmal durch einen Slalom von Pylonen laufen, durch Reifen stapfen, über die Wippe gehen, auf die große Treppe aufsteigen und an der anderen Seite wieder absteigen. Durch ein Plastikbecken stapfen, durch einen großen Ring hindurchgehen. Alles leistete Gustave mit ungewohnter Leichtigkeit. Dann gab es noch das große Podest zu besteigen. Ein Hindernis, bei dem ich schon dachte, das schaffen wir nicht, aber warum nicht, wenn er die anderen so gut meisterte. Also darauf zu gehen und ihm zeigen was ich von ihm erwartete. Anfangs noch eine gewisse Scheu, aber es interessierte ihn und schwupp nahm er seine beiden Vorderbeine und stieg auf das Podest auf.
Foto Pia Brunnengräber

Stolz wie Oskar blickte er dann von oben herab und bekam natürlich einen Belohnungsjoker. Jetzt gab es nur noch den Hänger und ich wollte das doch auch noch schafften. Als Target hatte ich für ihn einen großen Pylon ausgesucht. Immer wenn er ihn mit seiner Schnauze berührte, gab es ein kleines Möhrenstück. Und so wanderten wir immer näher auf die Rampe. Und dann ging ich rückwärts in den Hänger und zog Stück für Stück den Pylon hinter mir her. Gustave war etwas skeptisch, aber der Pylon der ja Belohnung bedeutet, war für ihn ein positiver Bezugspunkt und den wollte er schon weiter haben. Also ging er einfach weiter mit in den Hänger. Mit vier Schritten war er drin. Große Belohnung und dann wieder vorne raus, ohne Hektik.

Der beliebte Eselpferdeanhänger mit der vorderen Ausstiegsklappe hat vielen teilnehmenden Tieren die Angst vor dem ãPferdehänger hineingehenÒ genommen.

Nach einer Pause versuchte ich es noch einmal und es klappte immer besser und schneller. Fast so, wie die Hundehalter ihren Hund durch den Tunnel schickten, so konnte ich das mit Gustave bald auch durchführen.

Alle Teilnehmer konnten nach Belieben üben. Tina Caspari mit ihrem Maultier ist schon eine erfahrene Clickerin. Sie hatte auch an der Veranstaltung teilgenommen, um von Andra weitere Tipps zur Vervollständigung ihrer Ausbildung mit dem Maultier zu bekommen. Sie verwendet keinen Clicker, sondern nutzt ein Clickerwort, auf welches das Tier auch sehr feinfühlig reagiert.

Nach dem opulenten Mittagessen, das uns wieder Brigitte Engel bereitete, galt es Abschied zu nehmen und nun sollte auch Gustave beweisen, dass er es gelernt hatte in den Hänger zu gehen. Also holte ich unser Auto mit Hänger auf den Platz. Nestor stieg wie immer ganz gelassen in den Hänger. Dann nahm ich den Pylon, zeigte ihn Gustave und ging mit ihm in den Hänger und mein Gustave ist ganz selbstverständlich dem Pylon folgend in den Hänger gelaufen. Eine Sache von höchstens einer Minute. Was vorher eine Stunde dauerte. Wir sind überzeugt, dass Clickern der richtige Weg zum Training ist. Und wir üben weiter mit dem Clicker. Seit diesem Wochenende ist Gustave viel freundlicher zu mir geworden.
Jedesmal, wenn wir jetzt mit dem Hänger und Gustave fortfahren wollen, spiele ich mit Gustave das Pylon-Clickerspiel und es klappt ganz hervorragend. Danke an Andra Thiel für die Lehre und ganz besonderen Dank an Brigitte Engel, dass sie uns ihren Hof für fast drei Tage zur Verfügung gestellt und uns so meisterlich bekocht und versorgt hat.

Wer mehr über Clicker lernen will, sollte sich mit Andra Thiel in Verbindung setzen, oder im Internet unter nachsehen. Hier gibts noch weitere Bilder von der Veranstaltung.